Osteopathie

Geschichte der Osteopathie

Die Osteopathie geht auf den amerikanischen Humanmediziner Andrew Taylor Still zurück, der diese Behandlungsmethode Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte. Erst um 1970 herum begann der Franzose Dr. med.vet. Dominique Giniaux damit, osteopathische Techniken für Pferde zu entwickeln. 1997 eröffnete die erste Schule für Pferdeosteopathie in Deutschland.

Bei der Osteopathie wird der Patient als Einheit aus Körper, Geist und Seele gesehen. Still war der Ansicht, dass jeder Körper die Möglichkeit zur Selbstheilung in sich trägt. Dafür benötigt er aber Beweglichkeit und Dynamik in allen Bereichen, auch in Bezug auf Blut- und Lymphfluss im Gewebe.

Still entwickelte Methoden, Einschränkungen im Gewebe mittels seiner Hände aufzuspüren und zu beseitigen, sodass der Körper dann durch die verbesserte Beweglichkeit im Inneren seine Selbstheilungskräfte entfalten konnte.

Er arbeitete dabei nach dem Motto „Find it, fix it and leave it“.

Was ist Osteopathie

Basierend auf der Annahme, dass der Körper sich selber heilen kann, untersucht und behandelt der Osteopath den Patienten nur mit seinen Händen. Er spürt dabei eventuelle Bewegungseinschränkungen auf und beseitigt diese. Dabei wird der Patient, in unserem Falle das Pferd, in seiner Gesamtheit betrachtet.

Jede Körperstruktur, seien es Muskeln, Knochen oder Gefäße, haben ihre jeweilige Funktion. Um diese erfüllen zu können, braucht jede Struktur Bewegungsfreiheit. Ist diese nicht mehr oder nur eingeschränkt vorhanden, kommt es erst zu Spannungen in der jeweiligen Struktur und im weiteren Verlauf dann zu Funktionsstörungen. Kommen zu viele Funktionsstörungen zusammen, kann der Körper diese nicht mehr kompensieren und es kommt zu Beschwerden.

Mit Hilfe der Osteopathie kann die Ursache dieser Beschwerden aufgespürt und beseitigt werden. Die Osteopathie ist daher eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin, sie kann diese jedoch nicht ersetzen.

Die 3 Säulen der Osteopathie

Andrew Still definierte 3 Grundsätze der Osteopathie, die bis heute Bestand haben und auch auf das Pferd zu übertragen sind.

1. Struktur und Funktion

Der Pferdekörper besteht aus verschiedenen Strukturen, beispielsweise aus Knochen, Muskeln und Organen. Jede Struktur hat ihre eigene Funktion. Knochen sorgen für Stabilität, Muskeln für Beweglichkeit, Sehnen verbinden diese beiden Strukturen miteinander.

Strukturen können sich verändern, so wächst ein Muskel, wenn er trainiert wird und wird wieder schwächer, wenn er weniger benutzt wird. Ein Mehr an Funktion, also Bewegung, führt zu mehr Struktur, also mehr Muskel. Ist beispielsweise die Funktion, also die Bewegung des Muskels, eingeschränkt, so hat dies auch Auswirkungen auf die Struktur des Muskels.

Der Osteopath kann diese Funktionsstörung aufspüren und beseitigen. Er stellt die Beweglichkeit der Struktur und damit z.B. die Beweglichkeit des Muskels wieder her. Der Muskel kann wieder normal funktionieren und sich in seiner Struktur normalisieren.

2. Untrennbare Einheit

Der Körper des Pferdes wird bei der osteopathischen Behandlung als Einheit wahrgenommen. Keine Struktur steht für sich alleine, ohne Kontakt zu anderen Strukturen. So wie die Sehnen die Muskeln mit den Knochen verbinden, verbinden z.B. Faszien Bereiche, die augenscheinlich wenig miteinander zu tun haben.

Störungen im Bewegungsablauf der Vorderhand können durch Beeinträchtigungen in der Hinterhand ausgelöst werden, Lahmheiten durch Rückenprobleme verursacht werden, ebenso kann ein nicht passender Sattel durch Verspannungen zu Taktunreinheiten führen.

Der Osteopath betrachtet daher während seiner Behandlung das ganze Pferd, anstatt sich nur auf einzelne Symptome zu fokussieren.

3. Selbstheilungskräfte

Der Körper verfügt über Selbstheilungskräfte. Schneiden wir uns, können wir dies eindrucksvoll beobachten. Das gerinnende Blut verschließt die Wunde, bald bildet sich Schorf und je nach Schwere der Verletzung bleibt nicht mal eine Narbe zurück.

Mit Hilfe dieser Selbstheilungskräfte kann der Körper seine Gesundheit wieder herstellen. Gesundheit ist dabei nicht als Ziel zu verstehen, sondern als eine Art Gleichgewicht, das jeder Körper halten will.

Bedingt durch innere und äußere Einflüsse kann es passieren, dass der Körper, auch der unseres Pferdes, aus dem Gleichgewicht kommt. In der Folge dessen kommt es zu Beschwerden und Erkrankungen, verursacht durch die Bewegungseinschränkungen in der betroffenen Struktur.

Ein Osteopath kann dem Körper helfen, seine Selbstheilungskräfte zu nutzen, indem er diese Bewegungseinschränkungen lokalisiert und beseitigt.